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Norwegen startet inselweise UKW-Abschaltung

11. Januar 2017

Am 11. Januar 2017 hat in Norwegen die weltweit erste zwangsweise Abschaltung von UKW-Frequenzen begonnen. Die Provinz Nordland ist die Startregion, in der überregionale Programme künftig nicht mehr via UKW empfangbar sein werden. Bis Ende 2017 folgt in weiteren Landesteilen der UKW-Ausstieg. Die UKW-Abschaltung wird jedoch nicht zu 100 Prozent vollzogen. Lokale und regionale Radiosender bleiben weiterhin über UKW empfangbar.
Ziel der Abschaltung ist die Förderung der DAB+-Nutzung. Jedoch besitzt erst rund die Hälfte der Bevölkerung Norwegens (57 %) ein DAB+-Gerät. Deswegen sprechen sich aktuell zwei von drei Norwegern gegen die Abschaltung aus. Insbesondere auf die Autofahrer kommen Mehrkosten zu. Rund zwei Millionen Autoradios müssen noch umgerüstet werden. Ein Adapter kostet derzeit umgerechnet rund 170 Euro.

Auf Deutschland ist das norwegische Umstiegsszenario nicht eins zu eins übertragbar. Zum einen besteht in Westskandinavien eine andere topografische Situation als in Deutschland. Auf Grund der überwiegend alpinen Landschaft lässt sich dort kein derart lückloses UKW-Netz aufbauen, wie es im flachen Mitteleuropa möglich ist. Zudem befindet sich die DAB+-Nutzung und die Verbreitung von DAB+-Empfangsgeräten hierzulande trotz bereits mehrjähriger DAB/DAB+-Ausstrahlung auf einem sehr niedrigem Niveau. Nur 13,8 Prozent der Haushalte in Deutschland nutzen DAB+, aber 94,1 Prozent UKW. Ein fast ähnliches Verhältnis besteht bei der Haushaltsausstattung. 13,8 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen über ein DAB+-Gerät.  Damit liegt DAB+ nur auf Platz vierter hinter Kabel und Satellit und UKW (94,0 %).
Deutschland ist bezüglich seiner niedrigen DAB+-Nutzung kein internationaler Einzelfall. Im Gegenteil. In zahlreichen europäischen Staaten, auch in den anderen skandinavischen Ländern, erfährt DAB+ keine nennenswerte Nutzung. Auch außerhalb Europas sieht die Nutzungssituation ähnlich aus. Abgesehen von Teilen Australiens wird Radio bevorzugt über andere Übertragungswege gehört.

Aus Sicht des VPRT steht eine UKW-Abschaltung angesichts der unverändert überragenden Bedeutung dieses Übertragungsweges derzeit nicht zur Debatte. Vielmehr muss die Politik die Voraussetzungen schaffen, dass der Markt frei zwischen Übertragungswegen und -standards entscheiden kann. Über den Eintritt in Migrationsphasen ist erst anzudenken, wenn eine nachgewiesene tatsächliche Nutzung – und nicht eine bloße technische Reichweite – eines Digitalstandards von 40 Prozent bei flächendeckendem und im Verhältnis zu den ARD-Anstalten gleichberechtigtem Netzausbau nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erreicht wird. Konkrete Parameter für einen Umstieg sind ab 80 Prozent tatsächlicher Nutzung denkbar.

Für die Finanzierung eines Simulcasts von UKW und DAB+ benötigen die Privatradios Unterstützung. Eine Förderung der Verbreitungskosten für zwei Verbreitungswege wäre durch einen Digitalisierungsfonds von Bund und Ländern, gespeist aus Erlösen der Digitalen Dividende II, einer technischen Infrastrukturförderung durch die Medienanstalten oder besondere Preismodelle der Netzbetreiber möglich. Ähnliche Maßnahmen gab es bei der Digitalisierung der unterschiedlichen Verbreitungswege beim Fernsehen.

Weitere Details zur Zukunft des Radio können Sie im VPRT-Positionspapier „Die Top 7 zur Transformation der Hörfunkverbreitung ins digitale Zeitalter“ nachlesen.

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