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VPRT-Panel: „Die Radio-Agenda: Ready for Boarding? - 5G, UKW, DAB – Was kommt, was bleibt?“

25. Oktober 2017

Die aktuellen Fragen der Digitalisierung der Radioübertagung standen im Mittelpunkt eines Panels des Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) am 25. Oktober 2017 auf den Medientagen München. Unter dem Thema „Die Radio-Agenda: Ready for Boarding?“ ging es um die Fragen, welche digitalen Übertragungswege sich langfristig bei den Hörern durchsetzen werden, mit welchen Digitalisierungsstrategien die privaten Sender sich darauf vorbereiten und welche Forderungen für auf ihrer medienpolitischen Agenda stehen.

In seiner Begrüßung unterstrich Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VPRT und Geschäftsführer von Radio Regenbogen, seine Forderung nach einem Radiostaatsvertrag: „Wer sich Radiovielfalt wünscht, muss auch den richtigen ordnungspolitischen Rahmen dafür schaffen“, so Schunk. Dieser müsse unter anderem den Zugang und die Auffindbarkeit für Radio auf digitalen und mobilen Plattformen und ein digitales „must carry“ umfassen.

In Bezug auf DAB+ betonte Schunk, dass er DAB+ für eine Übergangstechnologie halte und perspektivisch erwarte, dass die digitale Radionutzung maßgeblich online und mobil erfolge. Für ein Umstiegsszenario von UKW auf DAB+ fasste er die VPRT-Forderungen zusammen: Eine solche Umstieg könne nur erfolgen, wenn die tatsächliche UKW-Nutzung bei unter zehn Prozent liege und müsse die heutige UKW-Landschaft vollständig abbilden. Analog zu den Öffentlich-Rechtlichen, die für den DAB+-Umstieg schätzungsweise über rund 600 Mio. Euro aus dem Rundfunkbeitrag erhielten, müssten entsprechende Fördermittel von rund 500 Mio. Euro für die erwarteten Kosten des Umstiegs der Privaten zur Verfügung gestellt werden, da sie sich aus Werbung nicht refinanzieren ließen. Und der Programmvermehrung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch die „Hintertür Digitalisierung“ müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Radionutzung via Internet-Streaming bei Jüngeren sehr beliebt

 Medientage MünchenWie Radioprogramme derzeit konsumiert werden, erläuterte Jörg Sunnus, Teamleiter Radioforschung beim IFAK Institut Markt- und Sozialforschung, in seinem Impulsvortrag. Bei der Anzahl der DAB-fähigen Radiogeräte gäbe es einen leicht positiven Trend. Derzeit hätten laut der dafür maßgeblichen AGMA-Zahlen 8,2 Prozent der Haushalte ein DAB-Gerät in der Wohnung oder im Auto. Aber auch in Haushalten mit DAB-Radio sei die UKW-Nutzung mit 60 Prozent hoch. DAB+ werde mit 22 Prozent genutzt, Streamingdienste im Internet kommen auf 20 Prozent. Die Haushalte verfügten über eine Vielzahl an Empfangsgeräten, laut Radio MA 2017 im Durchschnitt 3,4 Geräte, die auch genutzt würden. Im Vergleich zur DAB-Nutzung sei die Nutzung von Internet-Streamingdiensten bei den Jüngeren wesentlich intensiver. Während 10,1 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Radio über DAB hörten, würden 31,5 Prozent dieser Altersgruppe Radio über das Internet nutzen. Sein Fazit: Es ergebe sich ein signifikanter Anstieg der Radionutzung, wenn Streamingdienste mit berücksichtigt werden. 5G sei eine wichtige Voraussetzung für zukünftige Dienste im Auto.

DAB+ kein Geschäftsmodell für private Radioveranstalter

In der anschließenden Diskussion unter der Moderation von Helmut Hartung, Herausgeber und Chefredakteur von promedia, wurden die Herausforderungen der Digitalisierung insbesondere für das Geschäftsmodell der privaten Radios erörtert. Gert Zimmer, CEO RTL Radio Deutschland, betonte, dass UKW nicht abgeschaltet werden dürfe, da es die wirtschaftliche Existenzgrundlage der privaten Radios sei. „Wenn UKW abgeschaltet wird, werden wir Hörer verlieren“, so Zimmer. Er rechne mit erheblichen Migrationsverlusten von 45 Prozent. Es gebe zwei Herausforderungen: Zum einen sei die Radionutzung seit Jahren rückläufig, in fünf Jahren würde man bei einem Fortgang dieser Entwicklung nur noch 70 Prozent der Hörer erreichen, zum anderen beobachte er eine starke Fragmentierung des Marktes durch neue Verbreitungswege. Die Situation für private Radiosender werde damit immer schwieriger. Auf die Frage, warum RTL Radio in Berlin nicht über DAB+ sende, antwortet Zimmer, dass es sich nicht rechne: „Wir können nur Dinge machen, die eine wirtschaftliche Perspektive haben.“ Bislang habe er noch kein Geschäftsmodell gefunden, bei dem sich die Investitionen in DAB+ lohnten. Paid-Content sei für das Radio nicht möglich.

Carsten Friedrich, Account Director Automotive Information Service, Mediamobile, maß dem Auto eine Schlüsselrolle für die Digitalisierung des Radioempfangs zu. Radio sei im Auto unheimlich populär, weil es dort das einzige empfangbare Unterhaltungsmedium sei. Die Einführung des mobilen Internetstandards 5G würde Platz für viele andere Dienste schaffen.

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